Hund bellt andere Hunde an: Frust oder Unsicherheit?

Hunde bellen andere Hunde an der Leine aus zwei ganz verschiedenen Gründen an, beschreibt die amerikanische Tierschutzorganisation ASPCA: aus Angst, weil sie den anderen Hund auf Abstand halten wollen, oder aus Frust, weil sie hinwollen und nicht dürfen. In beiden Fällen helfen mehr Abstand und eine Belohnung, sobald dein Hund einen anderen Hund sieht.

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Auf dieser Seite
  1. Warum bellt mein Hund andere Hunde an?
  2. Frust oder Unsicherheit: woran erkenne ich es?
  3. Welche Zeichen zeigt mein Hund vor dem Bellen?
  4. Wie viel Abstand braucht mein Hund?
  5. Wie übe ich ruhige Begegnungen?
  6. Was hilft, wenn mein Hund andere Hunde anbellt, und was nicht?
  7. Wann sollte ich mir Hilfe holen?

Warum bellt mein Hund andere Hunde an?

Nach der ASPCA stecken hinter dem Bellen an der Leine zwei ganz unterschiedliche Gefühle. Manche Hunde haben Angst vor anderen Hunden oder mögen sie nicht, etwa nach einer schlechten Erfahrung oder weil sie als Welpe zu wenige Hunde kennengelernt haben. Für sie hat das Bellen einen Zweck: Es hält andere Hunde fern. Andere Hunde mögen Artgenossen sehr und spielen gern mit ihnen. Sie sind an der Leine so frustriert, weil sie nicht hindürfen, dass sie bellen und nach vorne springen. Von außen sieht beides gleich aus.

Was heißt Leinenreaktivität? So nennen Trainerinnen und Trainer es nach der ASPCA, wenn ein Hund an der Leine andere Hunde anbellt und nach vorne springt. Manche dieser Hunde sind in anderen Situationen durchweg freundlich und reagieren nur an der Leine so.

Die Leine macht beides schwerer. Ohne Leine nähern sich freundliche Hunde nach der ASPCA in einem Bogen, langsam und mit weichem Blick, und beschnuppern sich erst einmal. Auf dem Gehweg laufen zwei Hunde dagegen frontal aufeinander zu und schauen sich direkt an. Beides wirkt in der Körpersprache von Hunden bedrohlich. Dazu kommt die straffe Leine, die am Hals drückt. Werden die Menschen nervös, rucken sie an der Leine und schimpfen. Das bestätigt dem Hund nach der ASPCA vermutlich, dass Gefahr droht.

Das MSD Veterinary Manual, ein tiermedizinisches Nachschlagewerk, nennt Angst als Ursache der meisten Formen von Aggression. Ängstliche Hunde versuchen zuerst auszuweichen. Können sie das nicht, etwa weil sie angeleint sind, werden sie eher aggressiv. Für dich heißt das: Die Grundübung ist bei beiden Gründen gleich, nämlich Abstand und Belohnung beim Anblick anderer Hunde. Was du darüber hinaus übst, hängt davon ab, ob dein Hund hinwill oder weg.

Frust oder Unsicherheit: woran erkenne ich es?

Die Körpersprache gibt dir die besten Hinweise. Ein frustrierter Hund zieht nach der ASPCA zum anderen Hund hin und ist dabei stark erregt. Ein unsicherer Hund zeigt Angst und will Abstand. Beobachte deinen Hund bei mehreren Begegnungen mit viel Abstand und achte auf die Zeit vor dem ersten Bellen. Die Tabelle fasst zusammen, wie die ASPCA Erregung und Angst bei Hunden beschreibt.

Anzeichen von Erregung und Angst nach der ASPCA. Lies immer den ganzen Hund und die Situation.
Woran du achtestErregt, will hin (eher Frust)Ängstlich, will weg (eher Unsicherheit)
Körperhaltungzieht nach vorne zum anderen Hundlehnt sich zurück, duckt sich, macht sich klein oder erstarrt
Rutesteigt über die Rückenlinie, wird hoch und fast still gehalten oder in kurzen, schnellen Schlägen bewegtzwischen die Hinterbeine geklemmt, steif am Bauch oder steif wedelnd
Augen und Ohrenfixiert den anderen Hund, Ohren nach vorne auf ihn gerichtetAugen weit offen, große Pupillen, oft viel Weiß zu sehen
Ohne Leinespielt oft freundlich mit anderen Hundenmeidet andere Hunde oder mag sie nicht
Wenn der andere Hund näher kommtwill hin und zieht stärkerwill weg, versucht im Extremfall zu flüchten

Nicht jeder Hund passt sauber in eine Spalte. Die ASPCA betont deshalb, dass du immer den ganzen Körper und die Situation betrachten musst, nie ein einzelnes Zeichen. Eine hoch getragene Rute zeigt zum Beispiel Erregung, nicht automatisch gute Laune. Unser Vorschlag: Wenn du unsicher bist, lass dir von einer Trainerin vor Ort über die Schulter schauen.

Dreifarbiger Hund sitzt angeleint auf einem Gehweg und schaut aufmerksam zur Seite

Welche Zeichen zeigt mein Hund vor dem Bellen?

Bevor ein Hund bellt, zeigt er häufig Zeichen von Anspannung, die leicht übersehen werden. Die folgenden beschreibt die ASPCA. Wenn du sie kennst, kannst du reagieren, bevor dein Hund loslegt.

  • Fixieren: Dein Hund starrt den anderen Hund an. Schaut er zwei Sekunden oder länger hin, entscheidet er nach der ASPCA sehr wahrscheinlich gerade, ob er bellt, knurrt oder nach vorne springt.
  • Erstarren: Er bleibt plötzlich stehen, der Körper wird steif. Schließt ein hechelnder Hund plötzlich das Maul, kann das mehr Stress anzeigen.
  • Stresszeichen: Er leckt sich über die Lippen oder gähnt, oft mit fest geschlossenem Maul und manchmal mit leisem Fiepen. Die ASPCA nennt das ein frühes Zeichen von Stress.
  • Ausweichen: Er schaut weg, schnüffelt am Boden oder kratzt sich. Solche Ausweichbewegungen können nach der ASPCA zeigen, dass ein Hund gerade keinen Kontakt will.
  • Aufgestellte Haare über den Schultern, entlang der Wirbelsäule oder über der Rute zeigen, dass dein Hund aufgeregt oder aufgebracht ist. Ein Angriff muss deshalb nicht folgen.
  • Hecheln und Zittern ohne Hitze oder Anstrengung können Stress oder Angst anzeigen, besonders schnelles Hecheln mit angespanntem Maul.

Sobald du eines dieser Zeichen siehst, ist dein Hund schon angespannt. Jetzt hilft es, Abstand zu schaffen, statt weiterzugehen und zu hoffen, dass es diesmal gut geht. Die ASPCA rät, das Starren zu unterbrechen, bevor dein Hund reagiert. Dann hast du eine viel bessere Chance, dass er etwas anderes tut, etwa sich hinsetzt oder dich anschaut.

Wie viel Abstand braucht mein Hund?

So viel, dass er den anderen Hund bemerkt, aber noch nicht knurrt, bellt oder nach vorne springt. Diese Entfernung nennt die ASPCA die Reizschwelle deines Hundes. Ihr Beispiel: Liegt die Schwelle bei etwa zwölf Metern, fängst du das Training bei etwa 15 Metern an. Jeder Hund hat seine eigene Schwelle, du findest sie nur heraus, indem du ihn beobachtest.

Lernen kann dein Hund nur, solange er sich sicher fühlt. Die AVSAB, eine amerikanische Vereinigung von Tierärztinnen und Tierärzten für Tierverhalten, beschreibt die schrittweise Gewöhnung so: Der Hund bekommt den Reiz nur so dosiert zu sehen, dass er sich jederzeit sicher fühlt. Den Hund einfach mitten in die Situation zu stellen, lehnt sie ab. Und mit jeder Begegnung, bei der du deinen Hund zu weit treibst und er doch losbellt, riskierst du nach der ASPCA einen Rückschritt.

So schaffst du im Alltag Abstand

  1. Geh in einem großen Bogen um den anderen Hund herum, statt frontal auf ihn zuzugehen. So nähern sich freundliche Hunde auch ohne Leine.
  2. Wechsle die Straßenseite oder geh zwischen zwei geparkte Autos, wie es die ASPCA vorschlägt.
  3. Übe vorher zu Hause eine fröhliche Kehrtwende mit einem festen Wort. Die ASPCA empfiehlt diese Wende ausdrücklich, damit ihr anderen Hunden schnell aus dem Weg gehen könnt.
  4. Wähl für die nächsten Wochen Strecken und Uhrzeiten, zu denen wenig los ist. Die ASPCA nennt es einen vernünftigen Weg, anderen Hunden so aus dem Weg zu gehen.
  5. Ist dein Hund klein und lässt sich gern hochnehmen, nimm ihn auf den Arm, bis der andere Hund vorbei ist. Auch das schlägt die ASPCA vor.
  6. Sag anderen Haltern freundlich: „Bitte Abstand, wir üben.“

Ganz ohne Begegnungen geht es aber auch nicht. Die ASPCA warnt, dass zu wenig Bewegung und zu wenig Kontakt mit anderen Hunden einen Hund noch unruhiger und ungeselliger machen können. Fallen eure Runden kürzer aus, beschäftige deinen Hund zu Hause. Ideen findest du im Ratgeber Denkspiele für Hunde.

Wie übe ich ruhige Begegnungen?

Du trainierst immer etwas weiter weg, als die Reizschwelle deines Hundes liegt. Die ASPCA rät, dafür eine Bekannte mit einem gelassenen Hund um Hilfe zu bitten. Geht das nicht, stellst du dich weit entfernt an einen beliebten Spazierweg, auf dem andere Hunde angeleint sind und nicht zu euch laufen können. Über Tage oder Wochen gehst du dann Schritt für Schritt näher heran.

Für alle Hunde: Hund sehen, Belohnung bekommen

Fachleute sprechen von Gegenkonditionierung: Etwas, das dein Hund nicht mag, wird immer wieder mit etwas verbunden, das er liebt. So beschreibt es die ASPCA. Sobald dein Hund den anderen Hund bemerkt, aber bevor er bellen kann, sagst du ein Markerwort wie „Fein“ und gibst ihm ein Leckerli nach dem anderen, sehr schnell hintereinander. Die ASPCA nennt 10 bis 20 erbsengroße Stücke von etwas, das er sonst nicht bekommt. Verschwindet der andere Hund, hört die Belohnung sofort auf. Gute Dinge passieren nur, wenn ein anderer Hund zu sehen ist.

Mit der Zeit merkt dein Hund, dass der andere Hund die Leckerli ankündigt. Fortschritt erkennst du nach der ASPCA daran, dass er beim Anblick eines Hundes sofort zu dir schaut und fröhlich wedelt. Bellt er, warst du zu nah. Geh ruhig auf Abstand und versuch es dort noch einmal. Musst du seinen Blick in mehr als der Hälfte der Fälle selbst vom anderen Hund lösen, ist der Abstand ebenfalls zu klein.

Für unsichere Hunde

Dein Hund soll erleben, dass andere Hunde nicht zu ihm kommen. Lass deshalb keine fremden Hunde an ihn heran, auch nicht „zum Beschnuppern“. Das MSD Veterinary Manual rät bei Aggression grundsätzlich, auslösende Situationen zu meiden. Die AVSAB schreibt, ein Hund müsse sich im Training immer sicher fühlen und aussteigen können. Unser Vorschlag dafür: Lass ihn hinter dir gehen oder wegschauen, wenn er das möchte, und belohne genau das.

Für frustrierte Hunde

Dein Hund soll lernen, dass Aufregung ihn nicht zum anderen Hund bringt. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) erklärt, wie Belohnung wirkt: Hat sich ein Verhalten gelohnt, zeigt das Tier es wieder. Kommt dein Hund durch Bellen und Ziehen ans Ziel, bellt er beim nächsten Mal also eher wieder.

Unser Vorschlag aus der Alltagspraxis: An der Leine verzichtet ihr während des Trainings ganz auf Kontakte. Gespielt wird ohne Leine mit Hunden, die ihr kennt, und erst, wenn dein Hund vorher ruhig war und du ihn mit einem Freigabewort schickst. Übe außerdem im Alltag, kurz zu warten, etwa bevor er sein Futter bekommt.

Wie lange dauert es?

Das ist sehr verschieden. Manche Hunde, die Futter lieben und nur leicht frustriert sind, reagieren nach der ASPCA schon nach ein oder zwei Übungseinheiten fröhlich auf andere Hunde. Die meisten brauchen viele Einheiten über Tage oder Wochen. Geh lieber langsamer vor, als du denkst. Auch die Pubertät kann bremsen: Eine britische Studie mit angehenden Blindenführhunden fand, dass junge Hunde in dieser Zeit vorübergehend schlechter auf ihre Bezugsperson hören (Asher und andere, 2020). Wann dein Hund ungefähr in diese Phase kommt, zeigt dir der Pubertäts-Rechner.

Was hilft, wenn mein Hund andere Hunde anbellt, und was nicht?

Gängige Ratschläge bei Hunden, die andere Hunde anbellen, mit der Quelle für die Einschätzung
MaßnahmeEinschätzungWarum
Mehr Abstand, Bögen laufenhilftDein Hund bleibt ruhig genug, um zu lernen (ASPCA, AVSAB).
Anblick anderer Hunde belohnenhilftAndere Hunde kündigen etwas Gutes an statt Stress (ASPCA).
Ruhige Strecken und UhrzeitenhilftJe öfter ein Hund an der Leine bellt und nach vorne springt, desto besser wird er darin (ASPCA).
Einfach hinlassen, die regeln dashilft nichtFrontale Begegnungen an straffer Leine wirken bedrohlich (ASPCA). Ein frustrierter Hund lernt außerdem, dass Bellen zum Ziel führt (TVT).
Leinenruck oder Schimpfenhilft nichtDer Hund kann den Schmerz mit anwesenden Tieren verknüpfen (TVT). Körperliche Strafe kann einen aggressiven Hund schlimmer machen (MSD Veterinary Manual).
Antibell-, Sprüh- oder Druckluftgerätehilft nichtDie TVT stuft sie als tierschutzwidrig ein. Sie unterdrücken höchstens ein Symptom und können Hunde verunsichern und verängstigen.
Festhalten, bis der andere Hund vorbei isthilft nichtHält deinen Hund in der Situation fest, die ihn überfordert. Die AVSAB lehnt solches Aushaltenlassen ab.

Elektroreizgeräte sind in Deutschland verboten. § 3 Nr. 11 Tierschutzgesetz untersagt Geräte, die einem Tier durch direkte Stromeinwirkung nicht unerhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Das Bundesverwaltungsgericht hat 2006 entschieden, dass darunter Elektroreizgeräte zur Hundeausbildung fallen. Es kommt dabei nicht darauf an, wie vorsichtig jemand ein Gerät im Einzelfall benutzt, sondern darauf, ob es von seiner Bauart her solche Schmerzen zufügen kann.

Auch Halsbänder mit Spray, Druckluft, Vibration, Ultraschall oder Ton stuft die TVT in ihrem Merkblatt zu tierschutzwidrigem Zubehör als tierschutzwidrig ein. Ihre Gründe: Der Hund kann den Strafreiz mit etwas ganz anderem verknüpfen, etwa mit dem Ort, mit anwesenden Tieren oder mit dir. Bei ängstlichen Hunden sind deutliche Wesensveränderungen möglich. Und Geräte, die beim Bellen von selbst auslösen, können auch auf das Bellen anderer Hunde reagieren.

Die AVSAB rät grundsätzlich von Erziehung mit Schmerz, Einschüchterung oder körperlicher Korrektur ab und nennt ausdrücklich Leinenruck, Anschreien und Sprühflaschen. In Umfragen zeigten Hunde, die so erzogen wurden, häufiger Aggression gegenüber Menschen und anderen Hunden. Ob die Methoden das Problem auslösen oder ob Halter schwieriger Hunde eher zu ihnen greifen, können diese Studien nicht unterscheiden. Klar ist nach der AVSAB aber: Das Problem lösen solche Methoden nicht, sonst müsste es bei ihrem Einsatz seltener werden.

Eine Hand gibt einem jungen, gefleckten Hund ein Leckerli, der Hund schaut dabei nach oben

Wann sollte ich mir Hilfe holen?

Viele Hunde werden mit Abstand und Belohnung deutlich ruhiger. Das MSD Veterinary Manual schreibt, dass sich viele Formen von Aggression mit Verhaltenstraining aus schrittweiser Gewöhnung und Gegenkonditionierung behandeln lassen. Eine feste Dauer kann dir aber niemand versprechen. In manchen Fällen solltest du nicht allein üben.

Wenn dein Hund nicht gefährlich ist, du aber allein nicht weiterkommst, kann ein strukturierter Kurs helfen. Er sollte nur mit Belohnung arbeiten. Das empfiehlt die AVSAB für jedes Hundetraining, auch bei Verhaltensproblemen. Außerdem sollte er dir zeigen, wie du Abstand und Übungen an deinen Hund anpasst. Wie sich Hundeschule und Online-Kurse unterscheiden, liest du im Online-Hundeschulen-Vergleich. Zieht dein Hund zusätzlich an der Leine, hilft dir der Ratgeber Hund zieht an der Leine.

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Quellen

  • ASPCA (American Society for the Prevention of Cruelty to Animals): Dogs Who Are Reactive On-Leash (Stand 04.05.2020), Angst und Frust als Gründe, Begriff Leinenreaktivität, Begrüßung im Bogen und frontale Begegnung, straffe Leine und nervöse Halter, Ausweichen auf ruhige Zeiten, Kehrtwende, geparkte Autos, kleine Hunde hochnehmen, Starren ab zwei Sekunden, Reizschwelle, Gegenkonditionierung mit Helferhund, Dauer, Rückschritte, Hilfe durch Fachleute, gleiche Übungen bei Menschen (englisch). Geprüft am 13.10.2026.
  • ASPCA: Canine Body Language, Augen, Maul, Ohren, Rute, aufgestellte Haare, Hecheln, Haltung bei Angst und Erregung, Lippenlecken und Gähnen als Stresszeichen, Ausweichbewegungen (englisch). Geprüft am 13.10.2026.
  • American Veterinary Society of Animal Behavior (AVSAB): Position Statement on Humane Dog Training (2021), nur belohnungsbasiertes Training, keine Leinenrucke, kein Anschreien, keine Sprühflaschen, keine Reizüberflutung, schrittweise Gewöhnung, Zusammenhang mit Aggression in Umfragen, Markerwort (englisch). Geprüft am 13.10.2026.
  • MSD Veterinary Manual, Pet Owner Version, Gary M. Landsberg (North Toronto Veterinary Behaviour Specialty Clinic): Behavior Problems in Dogs, Angst als häufigste Ursache von Aggression, Aggression bei angeleinten Hunden, Schmerz als Auslöser, auslösende Situationen meiden, Behandlung durch schrittweise Gewöhnung und Gegenkonditionierung, körperliche Strafe (englisch). Geprüft am 13.10.2026.
  • Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT): Merkblatt Nr. 199, Tierschutzwidriges Zubehör für Hunde und tierschutzwidriger Einsatz von Zubehör (Stand 04/2026), Wirkung von Belohnung und Strafe, Leinenruck, Fehlverknüpfungen, Sprüh-, Druckluft- und Bell-Stopp-Geräte, Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie. Geprüft am 13.10.2026.
  • Bundesverwaltungsgericht: Elektroreizgeräte zur Hundeerziehung sind tierschutzrechtlich verboten, Pressemitteilung Nr. 8/2006 vom 23.02.2006 zum Urteil 3 C 14.05. Geprüft am 13.10.2026.
  • Tierschutzgesetz: § 3 TierSchG, Nr. 11, Verbot von Geräten mit direkter Stromeinwirkung. Geprüft am 13.10.2026.
  • Tierschutzgesetz: § 11 TierSchG, Abs. 1 Nr. 8 Buchstabe f, Erlaubnis für das Ausbilden von Hunden für Dritte. Geprüft am 13.10.2026.
  • SPCA New Zealand: Muzzling dogs, Positionspapier zu Maulkörben, Korbmaulkorb, langsames Angewöhnen mit Belohnung (englisch). Geprüft am 13.10.2026.
  • Asher L, England GCW, Sommerville R, Harvey ND: Teenage dogs? Evidence for adolescent-phase conflict behaviour and an association between attachment to humans and pubertal timing in the domestic dog. Biology Letters 16 (2020), vorübergehend schlechteres Hören auf die Bezugsperson in der Pubertät (englisch). Geprüft am 13.10.2026.

Fragen und Antworten

Häufige Fragen

Mein Hund bellt andere Hunde an. Was soll ich tun?

Schaff zuerst Abstand, so viel, dass dein Hund den anderen Hund sehen kann, ohne zu bellen. Belohne ihn dort, sobald er den anderen Hund bemerkt. Finde heraus, ob Frust oder Unsicherheit dahintersteckt, denn davon hängt ab, was du darüber hinaus übst.

Warum bellt mein Hund nur an der Leine andere Hunde an?

An der Leine kann dein Hund weder ausweichen noch hingehen, und auf dem Gehweg laufen Hunde oft frontal aufeinander zu. Das wirkt nach der ASPCA bedrohlich. Ein unsicherer Hund fühlt sich eingeengt, ein frustrierter kommt nicht zum anderen Hund. Ohne Leine nähern sich freundliche Hunde in einem Bogen, deshalb bellen manche Hunde nur an der Leine.

Woran erkenne ich, ob mein Hund aus Frust oder aus Angst bellt?

Ein frustrierter Hund zieht nach vorne zum anderen Hund und ist stark erregt, die Rute steht oft hoch. Ein ängstlicher Hund lehnt sich eher zurück, klemmt die Rute ein, duckt sich oder will weg. Ohne Leine spielt ein frustrierter Hund oft freundlich mit anderen Hunden. Lies immer den ganzen Hund, nicht ein einzelnes Zeichen.

Soll ich meinen Hund zum anderen Hund lassen, damit er sich beruhigt?

Nein. Ein unsicherer Hund wird dabei überfordert, und ein frustrierter Hund lernt, dass Bellen ihn ans Ziel bringt. Kontakte an der Leine lässt du während des Trainings besser ganz weg.

Darf ich schimpfen oder an der Leine rucken, wenn er bellt?

Davon raten wir ab. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz warnt, dass ein Hund den Schmerz eines Leinenrucks mit anwesenden Tieren verknüpfen kann. Nach dem MSD Veterinary Manual macht körperliche Strafe einen aggressiven Hund fast ausnahmslos eher schlimmer. Ruhig auf Abstand gehen bringt mehr.

Hilft ein Antibellhalsband?

Nein. Die TVT stuft Antibellhalsbänder mit Strom, Spray, Druckluft, Vibration, Ultraschall oder Ton als tierschutzwidrig ein. Elektroreizgeräte sind in Deutschland nach § 3 Nr. 11 Tierschutzgesetz und einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 2006 verboten.

Ist mein Hund aggressiv, wenn er andere Hunde anbellt?

Nicht unbedingt. Nach dem MSD Veterinary Manual steckt hinter den meisten Formen von Aggression Angst, und ängstliche Hunde wollen mit dem Bellen nach der ASPCA andere Hunde fernhalten. Andere Hunde sind schlicht frustriert. Hat dein Hund aber schon geschnappt oder gebissen, hol dir eine Fachperson vor Ort dazu.

Hört das Bellen von allein wieder auf?

Darauf solltest du nicht setzen. Nach der ASPCA wird ein Hund umso besser im Bellen und nach vorne Springen, je öfter er es übt. Mit Abstand und Belohnung werden viele Hunde aber deutlich ruhiger.

Mein Hund bellt auch Menschen an. Ist das dasselbe?

Die ASPCA schreibt, dass dieselben Übungen auch bei Hunden helfen, die an der Leine Menschen oder andere Tiere anbellen. Der Anlass kann aber ein anderer sein. Wie du die Anlässe auseinanderhältst, steht unter Hund bellen abgewöhnen, dort bestimmt der Bell-Typ-Check auch den Typ deines Hundes.

Wann sollte ich mit meinem Hund in die Tierarztpraxis?

Lass deinen Hund in der Tierarztpraxis untersuchen, bevor ihr mit dem Training anfangt, und erst recht, wenn das Bellen plötzlich begonnen hat oder er sich auch sonst verändert hat. Schmerzen können nach dem MSD Veterinary Manual Aggression auslösen. Deshalb schließt die Praxis zuerst körperliche Ursachen aus.