Rückruf beim Hund üben: Spiele, Wochenplan und was im Notfall hilft

Den Rückruf übst du am besten mehrmals täglich in kurzen Spielen, bei denen Kommen sich für deinen Hund richtig lohnt. Du fängst ohne Ablenkung an, sicherst ihn draußen mit einer Schleppleine und rufst nur, wenn er sehr wahrscheinlich kommt. So wird das Signal mit jeder Übung stärker statt schwächer.

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Auf dieser Seite
  1. Wie übe ich den Rückruf mit meinem Hund?
  2. Welche Rückrufspiele eignen sich zum Üben?
  3. Wie sieht ein Wochenplan zum Rückruf-Üben aus?
  4. Wie benutze ich die Schleppleine richtig?
  5. Mein Hund rennt weg und hört nicht: was tun im Moment?
  6. Was ist Antijagdtraining und wie fängt man damit an?
  7. Mein Welpe hört nicht auf den Rückruf. Was tun?
  8. Wann muss mein Hund an die Leine?

Wie übe ich den Rückruf mit meinem Hund?

Ein Rückruf ist kein Befehl, den dein Hund einmal lernt und dann für immer kann. Jede gelungene Übung macht ihn stärker, jedes Rufen ins Leere schwächer. Wer nur ruft, wenn der Spaziergang zu Ende ist oder es brenzlig wird, schwächt ihn ständig und stärkt ihn kaum. Darum geht es beim Üben vor allem um eines: viele kleine, sichere Erfolge.

Praktisch heißt das: Du übst nicht einmal am Tag zehn Minuten am Stück, sondern streust drei bis fünf Rückrufe in den Alltag. In der Küche, im Flur, im Garten, auf dem Weg zum Auto. Dein Hund soll bei deinem Signal nicht denken „jetzt ist der Spaß vorbei“, sondern „jetzt passiert gleich etwas Gutes“.

  • Ein festes Signal, das nur für das Kommen da ist. Ein kurzes Wort oder ein Pfiff, den alle in der Familie gleich benutzen.
  • Eine Belohnung, die wirklich zieht. Für viele Hunde ist das etwas Besonderes wie Käse, Fleischwurst oder ein Zerrspiel, nicht das übliche Trockenfutter.
  • Wenig Ablenkung am Anfang. Erst wenn es drinnen sicher klappt, gehst du nach draußen.
  • Sicherung draußen. Bis der Rückruf auch bei Ablenkung hält, läuft dein Hund an der Schleppleine.

Welche Wörter sich als Signal eignen und wie du sie deinem Hund beibringst, steht in unserer Liste der Hundekommandos. Hier geht es um das Üben danach: Spiele, ein Wochenplan und die Momente, in denen es schiefgeht.

Welche Rückrufspiele eignen sich zum Üben?

Spiele haben einen großen Vorteil: Dein Hund merkt gar nicht, dass er trainiert. Er rennt zu dir, weil es lustig ist, und genau diese Erfahrung soll später auch auf der Wiese abrufbar sein. Die folgenden Spiele funktionieren mit fast jedem Hund. Fang mit dem obersten an und nimm die nächsten dazu, sobald es gut klappt.

Rückrufspiele, sortiert von leicht nach schwer
SpielSo geht esOrtWorauf du achtest
Signal aufladenSignal sagen, sofort ein Leckerli geben. Dein Hund muss noch nichts tun.WohnungZehnmal am Tag, über mehrere Tage. Erst dann rufen.
Ping-PongZwei Menschen stehen ein paar Meter auseinander und rufen den Hund abwechselnd. Wer gerufen hat, belohnt.Wohnung, GartenAbstand langsam vergrößern. Nur rufen, wenn der Hund gerade frei ist.
VersteckenDu versteckst dich hinter einer Tür oder einem Baum und rufst einmal. Findet er dich, gibt es großes Lob und etwas Besonderes.Wohnung, Garten, später Wald an der SchleppleineAm Anfang leicht machen, damit er dich schnell findet.
WeglaufenSignal, dann drehst du dich um und läufst ein paar Schritte weg. Holt er dich ein, wird belohnt.Draußen an der SchleppleineNutzt den Hetztrieb in die richtige Richtung. Nie hinter ihm herlaufen.
Futter rollenKommt er, wirfst du ein Stück Futter hinter dich, sodass er an dir vorbei rennen darf.DraußenMacht das Ankommen spannend und belohnt das Tempo.
Rufen und wieder freiRufen, belohnen, gleich wieder ein Freigabewort wie „Lauf“ und weiterschnüffeln lassen.SpaziergangMehrmals pro Runde. Er lernt, dass Kommen nicht das Ende bedeutet.

Ein Spiel ist dann zu schwer, wenn dein Hund zögert, erst noch schnüffelt oder in einem Bogen kommt. Dann gehst du einen Schritt zurück, verkürzt den Abstand oder wählst einen ruhigeren Ort. Das ist kein Rückschritt, sondern gute Planung.

Wie sieht ein Wochenplan zum Rückruf-Üben aus?

Ein Plan hilft dir, dranzubleiben und nicht zu schnell zu viel zu wollen. Die Wochen sind eine Orientierung. Manche Hunde brauchen für einen Schritt zwei Wochen, andere schaffen zwei Schritte in einer. Du gehst erst weiter, wenn dein Hund auf der aktuellen Stufe fast immer sofort kommt.

Beispielplan für die ersten sechs Wochen, je nach Hund schneller oder langsamer
WocheWo du übstWas du übstPro Tag
1WohnungSignal aufladen, dann aus kurzer Distanz rufen5 bis 10 Wiederholungen, verteilt
2Wohnung und GartenPing-Pong und Verstecken, aus einem anderen Raum rufen3 bis 5 kurze Spiele
3Ruhige Wiese an der SchleppleineRufen, wenn er schnüffelt, nicht wenn er etwas fixiert3 bis 5 Rückrufe pro Runde
4Gewohnte Gassirunde an der SchleppleineWeglaufen-Spiel, Rufen und wieder frei3 bis 5 Rückrufe pro Runde
5Orte mit etwas Ablenkung, großer AbstandRufen, wenn Menschen oder Hunde weit weg sind2 bis 4 gezielte Rückrufe
6Wie Woche 5, Abstand etwas kleinerAblenkung langsam steigern, Belohnung aufwerten2 bis 4 gezielte Rückrufe

Plane auch Tage ohne Übung ein. Ein Hund, der ständig gefordert ist, wird eher hibbelig als zuverlässig. Und wenn ein Tag schlecht läuft, endet die Einheit trotzdem mit einem leichten Erfolg, zum Beispiel einem Ruf aus zwei Metern Entfernung.

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Hellbrauner Hund rennt mit einem Ball im Maul über eine leicht verschneite Wiese auf die Kamera zu

Wie benutze ich die Schleppleine richtig?

Die Schleppleine ist beim Rückruf-Üben dein Sicherheitsnetz. Sie verhindert, dass dein Hund erlebt, wie schön es ist, einfach abzuhauen. Damit sie hilft und nicht schadet, kommt es auf die Handhabung an.

  • Immer am Brustgeschirr befestigen. Ein plötzlicher Ruck am Halsband kann Hals und Wirbelsäule verletzen.
  • Leine locker durchhängen lassen. Dein Hund soll sich frei fühlen. Du greifst nur ein, wenn er losstürmt.
  • Leine nie um die Hand wickeln. Halte sie in Schlaufen in der Hand oder lass sie am Boden schleifen, wenn das Gelände frei ist.
  • Handschuhe tragen. Eine schnell durchrutschende Leine kann die Haut aufreißen.
  • Nicht als Werkzeug zum Heranziehen benutzen. Kommt er nicht, gehst du ruhig zu ihm, statt ihn an der Leine zu dir zu zerren.

Für die meisten Hunde sind fünf bis zehn Meter ein guter Start. Lange Leinen sind schwer zu kontrollieren und verheddern sich leicht, gerade im Wald. Eine leichte Leine aus beschichtetem Gewebe nimmt kaum Wasser und Schmutz auf.

Mein Hund rennt weg und hört nicht: was tun im Moment?

Irgendwann passiert es fast jedem: Der Hund ist frei, entdeckt etwas und ist weg. Was du in diesen Sekunden tust, entscheidet oft darüber, ob er zurückkommt.

  1. Nicht hinterherrennen. Für deinen Hund sieht das nach Jagdspiel aus, und er ist ohnehin schneller.
  2. Einmal rufen, dann Abstand vergrößern. Lauf mit freudiger Stimme in die Gegenrichtung oder geh in die Hocke. Beides macht dich für deinen Hund interessanter.
  3. Nicht dauernd das Signal wiederholen. Rufst du fünfmal ohne Erfolg, lernt dein Hund, dass das Signal nichts bedeutet. Klatschen, Pfeifen oder sein Lieblingsgeräusch sind in diesem Moment besser.
  4. Kommt er, gibt es Lob und Belohnung. Auch wenn du gerade wütend oder voller Angst bist. Ärger beim Ankommen macht den nächsten Rückruf langsamer.

Nach so einem Erlebnis gehört dein Hund erst einmal wieder an die Schleppleine. Er hat gerade gelernt, dass Weglaufen sich lohnen kann. Diese Erfahrung überschreibst du nur mit vielen gelungenen Übungen.

Schwarzer Hund rennt über einen Sandstrand, im Hintergrund hockt ein Mann im Sand

Was ist Antijagdtraining und wie fängt man damit an?

Jagen ist für viele Hunde das Spannendste, was es gibt. Gegen dieses Gefühl kommt kein Leckerli an, wenn ein Reh vorbeispringt. Antijagdtraining versucht deshalb nicht, den Jagdtrieb wegzutrainieren. Es lenkt ihn in Bahnen, die für alle sicher sind.

Die drei Bausteine

  • Aufmerksamkeit unterwegs. Dein Hund lernt, sich draußen immer wieder freiwillig nach dir umzuschauen. Jeder Blick zu dir wird belohnt.
  • Anzeigen statt Losrennen. Sieht oder riecht er Wild, soll er stehen bleiben und zu dir schauen. Dafür gibt es eine Belohnung, die zum Jagen passt, etwa eine Futterbeute, die du wirfst und die er hetzen darf.
  • Ein Abbruchsignal. Ein eigenes Wort, das bedeutet: Stopp, sofort umdrehen. Es wird genauso sorgfältig aufgebaut wie der Rückruf, mit hoher Belohnung.

Antijagdtraining braucht Zeit und Geduld. Bei Hunden mit starkem Jagdtrieb bleibt die Schleppleine in wildreichen Gebieten oft dauerhaft die beste Lösung. Das ist kein Versagen, sondern Verantwortung für deinen Hund und für die Tiere im Wald.

Stromreizgeräte sind keine Abkürzung. Das Tierschutzgesetz verbietet Geräte, die durch direkte Stromeinwirkung das artgemäße Verhalten eines Tieres erheblich einschränken oder es zur Bewegung zwingen und ihm dadurch nicht unerhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Abgesehen davon kann Schmerz am Jagdobjekt Angst und neue Probleme auslösen.

Mein Welpe hört nicht auf den Rückruf. Was tun?

Junge Welpen folgen dir meist von selbst, weil sie sich ohne dich unsicher fühlen. Das fühlt sich wie ein guter Rückruf an, ist aber noch keiner. Nutze diese Zeit: Sag dein Signal, wenn er ohnehin auf dich zuläuft, und belohne ihn. So verknüpft er das Wort mit dem Kommen, ohne dass er etwas falsch machen kann.

Ruf deinen Welpen nicht aus einem spannenden Spiel mit anderen Hunden heraus, das schafft er noch nicht. Hol ihn dort lieber ab. Und rechne damit, dass der Rückruf in der Pubertät wackelt. Warum das so ist und was dann hilft, steht im Ratgeber zur Flegelphase.

Wann muss mein Hund an die Leine?

Ob dein Hund frei laufen darf, hängt nicht nur vom Rückruf ab, sondern auch vom Ort. In Deutschland regeln das die Bundesländer und oft zusätzlich die Gemeinden. Es gibt keine einheitliche Regel.

Ein Beispiel ist Niedersachsen: Dort müssen Hunde in der freien Landschaft vom 1. April bis zum 15. Juli an der Leine geführt werden, in der sogenannten Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit. Das Landwirtschaftsministerium begründet das damit, dass freilaufende Hunde Jungtiere gefährden und Wildtiere bei Störung die Versorgung ihres Nachwuchses einstellen können. Gemeinden dürfen die Leinenpflicht ausweiten. In anderen Bundesländern gelten andere Zeiträume und Regeln.

Frag bei deiner Gemeinde nach, was bei dir gilt, und achte auf Schilder in Parks und Schutzgebieten. Wenn dein Hund an der Leine zieht, sobald er nicht mehr frei laufen darf, hilft dir der Ratgeber Hund zieht an der Leine.

Quellen

Fragen und Antworten

Häufige Fragen

Wie oft am Tag sollte ich den Rückruf üben?

Lieber oft und kurz als selten und lang. Drei bis fünf Rückrufe, über den Tag verteilt, reichen am Anfang. Wichtig ist, dass fast jeder davon gelingt und dein Hund dafür etwas richtig Gutes bekommt.

Mein Hund hört nicht auf den Rückruf. Was mache ich falsch?

Häufig wird gerufen, wenn der Hund gerade gar nicht kommen kann, oder das Kommen endet fast immer mit Anleinen. Geh zurück an einen Ort mit wenig Ablenkung, lade das Signal neu auf und ruf draußen nur noch an der Schleppleine.

Mein Hund haut ab und hört nicht. Was soll ich tun?

Lauf nicht hinterher, sondern in die andere Richtung oder geh in die Hocke. Ruf einmal und mach dich dann mit Geräuschen interessant. Kommt er, belohnst du ihn, auch wenn es gedauert hat. Danach übt er erst einmal wieder an der Schleppleine.

Hilfe, mein Hund jagt. Was kann ich tun?

Sichere ihn draußen mit einer Schleppleine am Brustgeschirr, damit er keine weiteren Jagderfolge hat. Dann übst du Aufmerksamkeit, Anzeigen und ein Abbruchsignal. Hat er schon Wild gehetzt, hol dir eine Trainerin mit Erfahrung im Antijagdtraining dazu.

Was bringt Antijagdtraining?

Antijagdtraining lenkt den Jagdtrieb in sichere Bahnen. Dein Hund lernt, Wild anzuzeigen statt loszurennen, und bekommt dafür eine erlaubte Ersatzjagd, etwa auf eine Futterbeute. Wie gut das klappt, ist von Hund zu Hund verschieden.

Welches Wort eignet sich für den Rückruf?

Ein kurzes Wort, das im Alltag sonst nicht vorkommt, oder ein Pfiff. Der Name allein eignet sich nicht, weil du ihn ständig benutzt. Alle in der Familie sollten dasselbe Signal verwenden.

Ab wann kann ich meinen Hund ohne Schleppleine laufen lassen?

Wenn er an diesem Ort und bei dieser Ablenkung fast immer sofort kommt. Das ist keine Frage von Wochen, sondern von Erfahrung. Beachte außerdem die Leinenpflicht in deinem Bundesland und deiner Gemeinde.

Darf ich meinen Hund beim Zurückkommen schimpfen, wenn er lange gebraucht hat?

Nein. Dein Hund verknüpft den Ärger mit dem Ankommen, nicht mit dem Weglaufen davor. Er kommt beim nächsten Mal zögerlicher. Belohne jedes Ankommen und übe an deinen Schwachstellen.