Leinenführigkeit trainieren: Trainingsplan in fünf Stufen mit Übungen

Leinenführig ist ein Hund, der an lockerer Leine neben dir bleibt, ohne dass er bei Fuß gehen muss. Du trainierst das in fünf Stufen: erst drinnen, dann im Hof, auf ruhigen Wegen, mit Begegnungen und zuletzt an belebten Orten. Am Anfang belohnst du fast jeden Schritt an deiner Seite, später seltener.

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  1. Was bedeutet Leinenführigkeit beim Hund?
  2. Wie trainiere ich Leinenführigkeit Schritt für Schritt?
  3. Welche Übungen helfen bei der Leinenführigkeit?
  4. Wie oft muss ich belohnen?
  5. Ab wann kann ich mit dem Welpen Leinenführigkeit üben?
  6. Kann ein erwachsener Hund noch Leinenführigkeit lernen?
  7. Welche Leine und welches Geschirr eignen sich zum Training?
  8. Warum ist Leinenführigkeit so wichtig?
  9. Was tun, wenn mein Hund trotz Training weiter zieht?

Was bedeutet Leinenführigkeit beim Hund?

Leinenführigkeit heißt, dass dein Hund an lockerer Leine mit dir unterwegs ist. Die Leine hängt leicht durch, dein Hund darf schnüffeln, ein Stück vor oder hinter dir gehen und die Seite wechseln, solange er nicht zieht. Er orientiert sich an deinem Tempo und deiner Richtung.

Im Hundesport ist das genauer geregelt. Die Prüfungsordnung der FCI unterscheidet bei der Begleithundprüfung zwei Dinge: Beim Fußgehen an der Leine auf dem Platz muss der Hund auf das Hörzeichen Fuß mit dem Schulterblatt auf Kniehöhe links neben seinem Menschen bleiben. Im Teil im Straßenverkehr soll er dagegen nur willig an lockerer Leine links folgen und sich von Passanten und Verkehr nicht beeindrucken lassen. Für den Alltag ist das zweite das Ziel.

Lockere Leine und Fuß im Vergleich
Lockere LeineFuß
Positionirgendwo im Radius der LeineSchulter auf Höhe deines Knies, meist links
Aufmerksamkeitauf dem Weg, mit gelegentlichem Blick zu dirdauerhaft auf dich
Schnüffelnerlaubt, solange die Leine locker bleibtnicht während der Übung
Dauerden ganzen Spaziergangkurze Strecken, etwa an der Ampel oder im Gedränge
Signalkeins oder ein Wort wie „Langsam“eigenes Hörzeichen, etwa „Fuß“
Anstrengung für den Hundgeringhoch, braucht Konzentration

Fuß ist also eine Übung, lockere Leine eine Gewohnheit. Wer auf dem ganzen Spaziergang Fuß verlangt, überfordert die meisten Hunde. Im Alltag reicht die lockere Leine. Fuß hebst du dir für kurze, schwierige Stellen auf.

Wie trainiere ich Leinenführigkeit Schritt für Schritt?

In fünf Stufen, von wenig zu viel Ablenkung. Du gehst erst eine Stufe weiter, wenn die aktuelle meistens klappt. Als Faustregel aus der Praxis: Wenn deine Leine in acht von zehn Übungsrunden fast immer locker bleibt, ist dein Hund bereit für die nächste Stufe.

Trainingsplan Leinenführigkeit in fünf Stufen
StufeOrtWas du übstLänge einer Übung
1Wohnung oder GartenBelohnung an deiner Seite, erste Schritte an der Leine, Richtungswechselzwei bis drei Minuten
2Hausflur, Hof, EinfahrtDieselben Übungen mit etwas mehr Gerüchen und Geräuschendrei bis fünf Minuten
3Ruhige Straße, bekannte Runde zu ruhiger ZeitLockere Leine auf kurzen Strecken, Schnüffeln als Belohnungfünf Minuten, dann Pause
4Wege mit Begegnungen auf AbstandLockere Leine, während Menschen, Räder oder Hunde weiter weg vorbeigehenfünf bis zehn Minuten
5Belebte Orte, Innenstadt, ParkeingangLockere Leine mit viel Trubel, kurz Fuß an engen Stellenzehn Minuten und mehr

Die Zeiten beziehen sich auf die reine Übungszeit, nicht auf den ganzen Spaziergang. Danach darf dein Hund an einer langen Leine oder in einem sicheren Bereich frei schnüffeln. Wie lange ihr pro Stufe braucht, lässt sich nicht vorhersagen. Manche Hunde schaffen Stufe 1 an einem Tag, für Stufe 5 brauchen dieselben Hunde oft Wochen.

Klappt es auf einer Stufe plötzlich gar nicht mehr, gehst du eine Stufe zurück. Das ist kein Rückschritt, sondern Teil des Plans. Häufige Gründe sind ein neuer Ort, Müdigkeit, Hunger oder eine aufregende Woche.

Golden Retriever läuft auf dem Gehweg an der Leine neben einer Person

Welche Übungen helfen bei der Leinenführigkeit?

Fünf Übungen tragen den ganzen Plan. Alle funktionieren über Belohnung und lassen sich auf jeder Stufe einsetzen. Sie stammen aus der Trainingspraxis, eine Studie, die sie gegeneinander vergleicht, gibt es nicht.

1. Der Futterplatz am Bein

Du gibst jede Belohnung an derselben Stelle: auf Höhe deiner Hosennaht, auf der Seite, auf der dein Hund laufen soll. Leg das Futter dort direkt vor seine Schnauze oder lass es neben deinem Fuß fallen. Dein Hund lernt, dass genau dieser Platz sich lohnt, und kommt von selbst immer wieder dorthin zurück.

2. Das Folge-mir-Spiel

Ohne Leine in Wohnung oder Garten gehst du los, wechselst ohne Ankündigung die Richtung und das Tempo. Jedes Mal, wenn dein Hund dir folgt und an deiner Seite ankommt, gibt es eine Belohnung am Bein. So lernt er, auf dich zu achten, noch bevor eine Leine dazukommt. Spielerisch und kurz, nach zwei Minuten ist Schluss.

3. Ruhig starten an der Haustür

Viele Hunde ziehen schon auf den ersten Metern, weil sie aufgeregt aus der Tür stürmen. Leg die Leine an, öffne die Tür und warte. Erst wenn die Leine locker ist, gehst du einen Schritt hinaus und belohnst am Bein. Wird sie straff, bleibst du stehen und wartest, bis sie wieder locker ist. Am Anfang dauert das, mit der Zeit wird der Start ruhiger und der ganze Spaziergang leichter.

4. Schnüffeln als Belohnung

Futter ist nicht die einzige Belohnung. Wenn dein Hund ein paar Meter an lockerer Leine gegangen ist, gibst du ihn mit einem festen Wort wie „Schnüffeln“ frei und gehst mit ihm zu der Stelle, die ihn interessiert. So wird genau das, was er sonst mit Ziehen erreichen wollte, zur Belohnung für lockeres Gehen.

5. Tempo und Richtung wechseln

Auf ruhigen Wegen wechselst du immer wieder das Tempo, gehst ein paar Schritte langsam, dann zügiger, und biegst mal ab. Kündige jeden Wechsel mit einem freundlichen Wort an. Dein Hund bleibt aufmerksam, weil er nie genau weiß, was als Nächstes kommt.

Wie oft muss ich belohnen?

Am Anfang sehr oft, fast bei jedem Schritt an deiner Seite. Mit jeder Stufe belohnst du seltener, aber nie gar nicht mehr. Die Werte in der Tabelle sind Richtwerte aus der Praxis, keine festen Regeln.

Belohnung an lockerer Leine, Richtwerte aus der Praxis
PhaseWie oftWomit
Stufe 1 und 2alle ein bis zwei Schrittekleine, weiche Leckerli, die schnell geschluckt sind
Stufe 3alle paar MeterLeckerli und Schnüffeln an spannenden Stellen
Stufe 4nach jeder Begegnung und zwischendurchbesonders gute Leckerli, dazu Lob
Stufe 5 und Alltagunregelmäßig, aber jeden SpaziergangLeckerli, Schnüffeln, Weitergehen in die gewünschte Richtung

Futter, das dein Hund beim Training bekommt, ziehst du von seiner Tagesration ab. Ein Futterbeutel am Gürtel hilft, weil du schnell an die Belohnung kommst und die Hand am Bein bleibt.

Ab wann kann ich mit dem Welpen Leinenführigkeit üben?

Ab dem ersten Tag, mit Stufe 1 und sehr kurzen Übungen. Ein Welpe hat das Ziehen noch nicht gelernt, und alles, was du jetzt belohnst, musst du später nicht abtrainieren. Gewöhne ihn zuerst drinnen an Geschirr und Leine, das Folge-mir-Spiel klappt mit Welpen besonders gut.

Wie lange die ersten Gassirunden dauern dürfen, steht im Ratgeber Gassi mit Welpen. Wie du Geschirr und Leine schrittweise einführst, steht im Abschnitt zum Welpen im Ratgeber Hund zieht an der Leine. Rechne damit, dass es in der Pubertät noch einmal holpriger wird.

Kann ein erwachsener Hund noch Leinenführigkeit lernen?

Ja. Ein erwachsener Hund lernt genauso, hat aber eine alte Gewohnheit, die oft über Jahre funktioniert hat. Deshalb braucht er mehr Wiederholungen, und Rückfälle sind normal, besonders an Orten, an denen er früher immer gezogen hat.

  • Neu anfangen statt korrigieren. Starte auch mit einem erwachsenen Hund bei Stufe 1, selbst wenn er die Übungen schnell versteht.
  • Neue Orte zuerst. Auf der alten Hunderunde ist das Ziehen tief eingeübt. Auf einem neuen Weg klappt das Neue oft schneller.
  • Neues Signal. Wenn du jahrelang „Fuß“ gerufen hast, ohne dass es geklappt hat, nimm für die lockere Leine ein neues Wort.
  • Übungsrunden vom Alltag trennen. Muss dein Hund mal raus, ohne dass du üben kannst, hilft eine andere Befestigung oder ein ruhiger Weg. Mehr dazu im Ratgeber Hund zieht an der Leine.

Manche Hunde aus dem Tierschutz kennen Leine, Straße und Verkehr noch gar nicht. Dann geht Sicherheit vor Training. Lass deinem Hund erst Zeit, sich einzuleben, und beginne mit kurzen Wegen, auf denen wenig passiert.

Welche Leine und welches Geschirr eignen sich zum Training?

Ein gut sitzendes Brustgeschirr und eine feste Führleine. Für Hunde, die noch ziehen, spricht eine Studie der University of Wisconsin für das Geschirr: Bei Zug über ein Halsband stieg der Augeninnendruck der Hunde deutlich an, bei Zug über ein Geschirr nicht. Die Autoren raten Hunden mit Augenerkrankungen wie grünem Star deshalb zum Geschirr (Pauli und Kollegen 2006).

  • Geschirr: Es muss gut sitzen, damit es nicht drückt oder scheuert. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz weist darauf hin, dass manche Geschirre mit waagerechtem Brustgurt die Bewegung der Vorderbeine einschränken können.
  • Halsband: Für Hunde, die schon locker laufen, in Ordnung. Es darf weder zu eng noch zu schmal sein.
  • Führleine: Eine feste Leine ohne Rollmechanismus. Die Länge hängt von Hund und Umgebung ab.
  • Rollleine und Schleppleine: Nicht für das Training der lockeren Leine. Die TVT warnt, dass Hunde sich in dünnen Leinen verheddern können und ein plötzlicher Stopp im vollen Lauf die Halswirbelsäule verletzen kann.

Nicht ins Training gehören Stachelhalsbänder, Würger ohne Stopp und Geschirre, die bei Zug unter den Achseln einschneiden. § 2 Abs. 5 der Tierschutz-Hundeverordnung verbietet bei Ausbildung, Erziehung und Training Stachelhalsbänder und andere schmerzhafte Mittel. Die TVT stuft Zughalsbänder ohne Stopp oder mit falsch eingestelltem Stopp ausdrücklich als tierschutzwidrig ein.

Warum ist Leinenführigkeit so wichtig?

Weil Ziehen an der Leine nicht nur lästig ist. Eine Übersichtsarbeit der Tierärztlichen Fakultät der Universität Edinburgh nennt es ein Wohlbefindensproblem für Hunde: Wer mit einem ziehenden Hund unterwegs ist, geht womöglich seltener und kürzer spazieren, und dem Hund fehlen Bewegung und neue Eindrücke. In Großbritannien ist es, Bisse ausgenommen, die häufigste Ursache nicht tödlicher Verletzungen durch Hunde, an der Leine umgerissen zu werden (Townsend und Kollegen 2022).

Dieselbe Arbeit warnt vor Hilfsmitteln, die mit Schmerz oder Schreck arbeiten. Sie können Stress, Angst und Aggression auslösen. Auch die amerikanische Fachgesellschaft für Tierverhaltensmedizin (AVSAB) rät von Leinenruck und körperlicher Korrektur ab. Lockeres Gehen lässt sich vollständig über Belohnung aufbauen.

Was tun, wenn mein Hund trotz Training weiter zieht?

Prüfe zuerst, ob du zu schnell eine Stufe höher gegangen bist. Das passiert leicht. Geh eine Stufe zurück und belohne wieder öfter. Wenn dein Hund im Alltag immer wieder mit Ziehen ans Ziel kommt, hält das die alte Gewohnheit am Leben, auch wenn die Übungsrunden gut laufen.

Was du tust, wenn die Leine straff wird, welche Fehler das Training ausbremsen und was hilft, wenn dein Hund bei Hundebegegnungen bellt und in die Leine springt, steht ausführlich im Ratgeber Hund zieht an der Leine. Für Begegnungen gibt es einen eigenen Ratgeber: Hund bellt andere Hunde an.

Quellen

Fragen und Antworten

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Leinenführigkeit und Fuß?

Bei lockerer Leine darf dein Hund sich im Radius der Leine frei bewegen und schnüffeln, solange er nicht zieht. Bei Fuß bleibt er mit der Schulter auf Höhe deines Knies und schaut zu dir. Fuß ist eine kurze Übung für schwierige Stellen, lockere Leine die Gewohnheit für den ganzen Spaziergang.

Wie lange dauert es, bis ein Hund leinenführig ist?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Manche Hunde laufen nach einigen Wochen auf ruhigen Wegen gut, an belebten Orten dauert es oft deutlich länger. Entscheidend ist, dass Ziehen im Alltag möglichst nie zum Ziel führt.

Wie fange ich mit dem Leinentraining an?

Drinnen, ohne Ablenkung. Gib jede Belohnung an deinem Bein, spiel ohne Leine das Folge-mir-Spiel und nimm erst dann die Leine dazu. Draußen fängst du auf einem ruhigen Hof oder im Hausflur an.

Auf welcher Seite soll mein Hund an der Leine laufen?

Für den Alltag ist das deine Entscheidung. Wichtig ist, dass du am Anfang immer auf derselben Seite belohnst. In der Begleithundprüfung der FCI läuft der Hund links. Wer diese Prüfung nicht plant, kann auch rechts üben.

Darf mein Hund an lockerer Leine schnüffeln?

Ja. Schnüffeln gehört zum Spaziergang und ist eine der besten Belohnungen für lockeres Gehen. Gib es mit einem festen Wort frei und geh mit deinem Hund zu der Stelle, statt dich hinziehen zu lassen.

Brustgeschirr oder Halsband für das Leinentraining?

Für Hunde, die noch ziehen, ein gut sitzendes Brustgeschirr. In einer Studie stieg bei Zug über ein Halsband der Augeninnendruck, bei Zug über ein Geschirr nicht. Für Hunde, die bereits locker laufen, ist ein passendes Halsband in Ordnung.

Ist eine Rollleine gut für die Leinenführigkeit?

Nein. An der Rollleine ist immer etwas Zug, dein Hund lernt also nie, wie sich eine lockere Leine anfühlt. Für das Training nimmst du eine feste Führleine.

Mein erwachsener Hund zieht seit Jahren. Lohnt sich das Training noch?

Ja. Erwachsene Hunde lernen lockeres Gehen genauso, brauchen aber mehr Wiederholungen. Fang bei Stufe 1 an, übe auf neuen Wegen und nimm für die lockere Leine ein neues Wort, wenn das alte nie funktioniert hat.

Wann sollte ich mit meinem Hund wegen der Leine zur Tierarztpraxis?

Wenn dein Hund an der Leine hustet oder würgt, plötzlich anders läuft, lahmt oder nicht mehr gern an der Leine geht, lass ihn in der Tierarztpraxis untersuchen. Hat dein Hund eine Augenerkrankung wie grünen Star, frag dort, ob er ein Geschirr statt eines Halsbands tragen sollte.