Ruhige Hunderassen: welche als gelassen gelten und was wirklich zählt

Als eher ruhig beschreiben ihre Rassestandards zum Beispiel Eurasier, Bichon Frisé, Basset Hound, Whippet, Greyhound, Neufundländer und Leonberger. Die Rasse erklärt aber nur einen kleinen Teil davon, wie ruhig ein Hund ist: In einer großen Studie waren es etwa 9 Prozent. Mehr zählen Alter, Auslastung und Erziehung.

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Auf dieser Seite
  1. Welche Hunderassen sind ruhig?
  2. Ruhige Hunderassen im Überblick
  3. Wovon hängt es ab, ob ein Hund ruhig ist?
  4. Ruhig oder nur erschöpft? Kurze Nasen und sehr große Hunde
  5. Bellen ruhige Hunderassen weniger?
  6. Ältere Hunde aus dem Tierschutz: oft die ruhigste Wahl
  7. Welche Hunde passen zu Senioren?
  8. So hilft dir der Rassetest bei einem ruhigen Hund

Welche Hunderassen sind ruhig?

Ruhige Hunderassen sind Rassen, deren Standard ein gelassenes Wesen verlangt, etwa Eurasier, Bichon Frisé, Basset Hound, Whippet, Greyhound, Neufundländer und Leonberger. Eine Garantie für deinen Hund ist das nicht. Der Standard beschreibt das Ideal, nach dem gezüchtet wird, nicht jeden einzelnen Welpen.

Was heißt hier ruhig? Eine feste Definition gibt es nicht. Gemeint ist meist ein Hund, der drinnen viel ruht, sich nach Aufregung schnell wieder entspannt und nicht bei jedem Geräusch losbellt. Die Standards der Fédération Cynologique Internationale (FCI) beschreiben das im Abschnitt „Wesen“ mit Worten wie „ruhig“, „ausgeglichen“, „gelassen“ oder „hohe Reizschwelle“. Genau diese Abschnitte haben wir für die Tabelle unten gelesen.

Wie viel die Rasse ausmacht, hat ein Team um Kathleen Morrill untersucht und 2022 in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht. Ausgewertet wurden Angaben zu 18.385 Rassehunden und Mischlingen, 2.155 davon mit Erbgut-Analyse. Ergebnis: Die Rasse erklärt nur etwa 9 Prozent der Unterschiede im Verhalten einzelner Hunde. Viele Verhaltensmerkmale sind zwar erblich, aber sie verteilen sich über alle Rassen.

Ruhige Hunderassen im Überblick

Die Tabelle zeigt 14 Rassen, deren FCI-Standard ein ruhiges, gelassenes oder ausgeglichenes Wesen beschreibt. Größe und Gewicht stehen so, wie der Standard sie nennt. Was fehlt, haben wir nicht geschätzt. In der letzten Spalte steht, was du trotz des ruhigen Wesens wissen solltest.

Ruhige Hunderassen nach FCI-Standard. Größe und Gewicht: Rüden / Hündinnen. Wesen als kurzer Auszug, englische Standards sinngemäß übersetzt.
RasseFCI-GruppeWesen laut Standard (Auszug)Größe und Gewicht laut StandardDarauf achten
Eurasier5ruhig, ausgeglichen, hohe Reizschwelle, wachsam ohne lautfreudig zu sein52 bis 60 cm / 48 bis 56 cm, 22 bis 30 kg / 18 bis 26 kgbraucht laut Standard engen Familienanschluss und konsequente Erziehung
Bichon Frisé9nie nervös oder kläffend, sehr anpassungsfähig25 bis 29 cm, etwa 5 kgsehr lockiges Fell, das regelmäßig gepflegt werden muss
Malteser9lebhaft, zärtlich, sehr entspannt21 bis 25 cm / 20 bis 23 cm, 3 bis 4 kgsehr klein und zart, nicht für wildes Kinderspiel
Basset Hound6gelassen, nie aggressiv oder ängstlich, anhänglich33 bis 38 cmSpürhund mit Meutetrieb und laut Standard tiefer, melodischer Stimme
Clumber Spaniel8stoisch, ein stiller Arbeiter, zuverlässig und freundlich29,5 bis 34 kg / 25 bis 29,5 kgJagdhund, der Arbeit für die Nase braucht
Whippet10sanft, anhänglich, ausgeglichen, sehr anpassungsfähig im Haus47 bis 51 cm / 44 bis 47 cmSichtjäger, Freilauf oft nur auf eingezäunten Flächen
Greyhound10sanft, anhänglich, ausgeglichen71 bis 76 cm / 68 bis 71 cmSichtjäger, laut Standard mit bemerkenswerter Ausdauer
Galgo Español10ruhig, gelegentlich zurückhaltend, bei der Jagd lebhaft62 bis 70 cm / 60 bis 68 cmSichtjäger wie Whippet und Greyhound
Berner Sennenhund2mittleres Temperament, gutmütig, friedlich gegenüber Fremden64 bis 70 cm / 58 bis 66 cmgroß und schwer
Neufundländer2bekannt für stete Liebenswürdigkeit und Gelassenheitim Mittel 71 cm / 66 cm, etwa 68 kg / 54 kgsehr schwer, an der Leine brauchst du Kraft
Leonberger2souveräne Gelassenheit, mittleres Temperament, unempfindlich gegen Lärm72 bis 80 cm / 65 bis 75 cmsehr groß und schwer
Deutsche Dogge2hohe Reizschwelle, freundlich und anhänglichmindestens 80 cm / 72 cmin einer englischen Studie unter den Rassen mit dem kürzesten Leben
Irish Wolfhound10sanft, freundlich zu Menschen und Hunden, „ein Lamm im Haus“mindestens 79 cm / 71 cmsehr groß, der Standard sagt auch „ein Löwe auf der Jagd“
Chow Chow5ruhig, guter Wächter, unabhängig, distanziert48 bis 56 cm / 46 bis 51 cmeigenständig und Fremden gegenüber reserviert

Auffällig ist, wie viele große und sehr große Rassen dabei sind. Ein ruhiger Hund ist also nicht automatisch ein kleiner Hund. Und viele ruhige Rassen sind ursprünglich Jagdhunde: drinnen gelassen, draußen oft mit starkem Trieb. Welche Rassegruppen für Ersthalter eher leicht sind, zeigt unser Ratgeber Anfängerhunde mit allen zehn FCI-Gruppen.

Wovon hängt es ab, ob ein Hund ruhig ist?

Ob ein Hund ruhig ist, hängt vor allem von seinem Alter, seiner Auslastung und seiner Erziehung ab, und erst danach von der Rasse. Das ist die ehrliche Antwort, auch wenn sie weniger bequem ist als eine Liste.

  • Alter. Junge Hunde sind unruhiger. Salonen und Kollegen werteten 2020 Fragebögen zu rund 13.700 Hunden in Finnland aus: Hyperaktivität, Unaufmerksamkeit und Zerstören beim Alleinsein waren bei jüngeren Hunden häufiger. Ältere Hunde waren dafür häufiger geräuschempfindlich.
  • Auslastung. Ein Hund, der nicht genug zu tun hat, findet schwer zur Ruhe. Das gilt besonders für Rassen, die für ausdauernde Arbeit gezüchtet wurden. Kopfarbeit und Schnüffeln beruhigen viele Hunde mehr als noch eine Runde Rennen. Ideen dafür findest du bei unseren Denkspielen für Hunde.
  • Erziehung und Gewohnheit. Ruhe ist auch Übungssache. Ein Hund, der gelernt hat, dass auf seinem Platz nichts passiert, legt sich dort eher hin. Wie du das Alleinbleiben in kleinen Schritten aufbaust, zeigt die Seite Hund alleine lassen.
  • Linie und Einzeltier. Innerhalb einer Rasse unterscheiden sich Hunde stark, wie die Studie von Morrill zeigt. Lern die Elterntiere kennen oder, noch besser, den erwachsenen Hund selbst.
Kleiner Hund schläft auf einer Bettdecke

Ruhig oder nur erschöpft? Kurze Nasen und sehr große Hunde

Nicht jeder Hund, der wenig läuft, ist gelassen. Mops und Französische Bulldogge stehen auf vielen Listen ruhiger Rassen, weil sie mit kurzen Runden zufrieden wirken. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) beschreibt bei kurzköpfigen Rassen wie Mops, Französischer und Englischer Bulldogge, Boston Terrier und Cavalier King Charles Spaniel teils erhebliche Atemprobleme. Viele dieser Hunde atmen auch in Ruhe röchelnd und überhitzen unter Belastung und bei Wärme schnell.

Ein Hund, der nach kurzer Strecke stehen bleibt, ist also vielleicht einfach außer Atem. Die Zucht auf extreme Kurzköpfigkeit nennt die TVT ausdrücklich als Merkmal, das unter das Qualzuchtverbot in § 11b Tierschutzgesetz fallen kann. Willst du eine dieser Rassen, achte auf Elterntiere mit deutlich längerer Nase und freier Atmung.

Auch bei sehr großen Rassen lohnt ein zweiter Blick. Die TVT zählt Riesenwuchs zu den kritischen Zuchtzielen und nennt Gelenkerkrankungen bei übergroßen und überschweren Rassen. In der englischen Auswertung von Tierarztdaten (O'Neill und Kollegen, 2013) lebten schwerere Hunde im Schnitt kürzer, die Deutsche Dogge gehörte zu den Rassen mit dem kürzesten Leben. Ein ruhiger Riese ist ein wunderbarer Hund, aber oft für kürzere Zeit.

Bellen ruhige Hunderassen weniger?

Manche ja, aber ruhig und still ist nicht dasselbe. Der Standard des Bichon Frisé verlangt einen Hund, der „nie kläffend“ ist, der Eurasier soll wachsam sein, „ohne lautfreudig zu sein“. Der Chow Chow dagegen gilt als ruhig und zugleich als „guter Wächter“, und der gelassene Basset Hound hat laut Standard eine „tiefe, melodische Stimme“.

Ob ein Hund viel bellt, hängt außerdem stark vom Anlass ab: Geräusche im Treppenhaus, Besuch, andere Hunde oder Alleinsein. Was hinter dem Bellen steckt und wie du es verringerst, steht ausführlich auf der Seite Hund bellen abgewöhnen.

Ältere Hunde aus dem Tierschutz: oft die ruhigste Wahl

Wer einen ruhigen Hund sucht, findet ihn am sichersten unter erwachsenen und älteren Hunden. Bei ihnen siehst du, was ein Welpe erst noch zeigen muss: ob er drinnen zur Ruhe kommt, wie er auf Besuch und Geräusche reagiert und ob er allein bleiben kann. Dazu passt die finnische Studie: Hyperaktivität war bei jungen Hunden häufiger.

Frag im Tierheim oder beim Verein gezielt nach Hunden ab dem mittleren Alter. Lass dir erzählen, wie der Hund im Alltag ist, und geh mehrmals mit ihm spazieren. Ältere Hunde haben manchmal Vorerkrankungen. Frag danach, damit du die Kosten einschätzen kannst. Wie du einen seriösen Verein erkennst und was bei Hunden aus dem Ausland wichtig ist, steht im Ratgeber Hund aus dem Tierschutz.

Älterer Hund mit heller Schnauze liegt entspannt auf einem Fliesenboden

Welche Hunde passen zu Senioren?

Zu Senioren passt meist ein erwachsener, ruhiger Hund, den du an der Leine sicher halten kannst und der zu deinem Tempo passt. Das ist oft ein kleiner oder mittelgroßer Hund aus dem Tierschutz. Die Rasse ist dabei weniger wichtig als der einzelne Hund und die Frage, wer sich kümmert, wenn du einmal ausfällst.

Fragen, die du vor einem Hund im Alter klären solltest
FrageWarum sie wichtig istWorauf du achten kannst
Kann ich den Hund halten?Laut Standard wiegt ein Bichon Frisé etwa 5 kg, ein Neufundländer-Rüde etwa 68 kg.Geh vor der Entscheidung mehrmals mit genau diesem Hund spazieren, auch an Tagen mit Glätte oder Regen.
Wie alt wird der Hund?In der englischen Studie lag das mittlere Sterbealter bei 12,0 Jahren. Mischlinge lebten im Schnitt 1,2 Jahre länger als Rassehunde.Mit einem erwachsenen Hund planst du weniger Jahre ein, und er ist meist ruhiger als ein Welpe.
Wer hilft im Notfall?Krankenhaus, Reha oder Pflege kommen manchmal plötzlich.Kläre vorher, wer den Hund dann versorgt, und schreib es auf.
Wie viel Bewegung schaffe ich?Die Tierschutz-Hundeverordnung verlangt ausreichend Auslauf im Freien.Wähl einen Hund, dessen Bedarf zu deinen Wegen passt, nicht umgekehrt.
Passt der Hund in die Wohnung?Treppen ohne Aufzug werden für große und alte Hunde schwierig.Ein Hund, den du notfalls tragen kannst, ist in solchen Wohnungen leichter.

Bei vielen Tierheimen kannst du zuerst als Gassigeher helfen. So lernst du verschiedene Hunde kennen und merkst, welches Tempo und welche Größe zu dir passen. Auch eine gemeinsame Haltung mit Kindern oder Nachbarn kann eine Lösung sein, wenn alle Beteiligten wirklich mitmachen.

So hilft dir der Rassetest bei einem ruhigen Hund

Der Rassetest ordnet jede Rassegruppe nach ihrem Bewegungsbedarf ein. Wählst du „Gemütliche Runden und viel Nähe“, rücken Gruppen mit wenig Bewegungsbedarf nach oben und Gruppen mit viel Bewegungsbedarf nach unten. Die Stufen sind unsere eigene grobe Einschätzung nach der ursprünglichen Aufgabe der Rassen, keine Messung.

Bewegungsbedarf der Rassegruppen im Test (eigene Einschätzung ohne Quelle)
RassegruppeFCIBewegung und Beschäftigung
Gesellschafts- und BegleithundeFCI-Gruppe 9wenig
Apportier-, Stöber- und WasserhundeFCI-Gruppe 8mittel
Hüte- und TreibhundeFCI-Gruppe 1viel
TerrierFCI-Gruppe 3mittel
Laufhunde und VorstehhundeFCI-Gruppen 6 und 7viel
WindhundeFCI-Gruppe 10mittel
Deutsche SpitzeFCI-Gruppe 5, Sektion 4mittel
Nordische und asiatische SpitzeFCI-Gruppe 5, ohne Sektion 4mittel
Pinscher, Schnauzer, Molosser und SennenhundeFCI-Gruppe 2mittel

Ein Beispiel: Du wohnst in einer Wohnung mit Grün in der Nähe, hast ein bis zwei Stunden am Tag, hattest früher einen Familienhund und wünschst dir gemütliche Runden. Dann schlägt der Test vor: Gesellschafts- und Begleithunde, Apportier-, Stöber- und Wasserhunde. Das ist eine Orientierung, kein Urteil über einzelne Hunde.

Quellen

Fragen und Antworten

Häufige Fragen

Welche Hunderasse ist die ruhigste?

Die eine ruhigste Rasse gibt es nicht. Als ruhig oder gelassen beschreiben ihre FCI-Standards zum Beispiel Eurasier, Basset Hound, Whippet, Greyhound, Neufundländer und Leonberger. Die Rasse erklärt laut einer großen Studie aber nur etwa 9 Prozent der Verhaltensunterschiede, Alter und Alltag zählen mehr.

Welche kleinen Hunderassen sind ruhig?

Der Bichon Frisé soll laut Standard nie nervös oder kläffend sein, der Malteser wird als sehr entspannt beschrieben. Beide wiegen laut Standard etwa 3 bis 5 Kilogramm. Kurzköpfige Rassen wie der Mops wirken oft ruhig, viele von ihnen haben aber Atemprobleme.

Welche großen Hunderassen sind ruhig?

Neufundländer, Leonberger, Berner Sennenhund, Deutsche Dogge und Irish Wolfhound beschreiben ihre Standards als gelassen oder sanft. Sie sind aber sehr schwer und brauchen Platz. Sehr große Rassen leben im Schnitt kürzer.

Welche Hunde bellen wenig?

Der Standard des Bichon Frisé verlangt einen Hund, der nie kläfft, der Eurasier soll wachsam sein, ohne lautfreudig zu sein. Wie viel ein Hund bellt, hängt aber stark vom Anlass und vom Training ab, nicht nur von der Rasse.

Ab wann wird ein Hund ruhiger?

Eine feste Altersgrenze gibt es nicht. In einer finnischen Studie mit rund 13.700 Hunden waren Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit bei jüngeren Hunden häufiger. Wer einen ruhigen Hund sucht, ist mit einem erwachsenen Hund deshalb oft besser beraten als mit einem Welpen.

Welcher Hund passt zu Senioren?

Meist ein erwachsener, ruhiger Hund, den du an der Leine sicher halten kannst, oft ein kleiner oder mittelgroßer Hund aus dem Tierschutz. Kläre vorher, wer den Hund versorgt, wenn du krank wirst oder ins Krankenhaus musst.

Ist ein Mops ein ruhiger Hund?

Der Standard beschreibt den Mops als ausgeglichen, fröhlich und lebhaft. Läuft ein Mops wenig, kann das auch an der kurzen Nase liegen: Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz beschreibt bei kurzköpfigen Rassen teils erhebliche Atemprobleme.

Kann man einem Hund Ruhe beibringen?

Ja. Ein fester Platz, an dem nichts passiert, ruhige Rituale nach Spaziergängen und genug Kopfarbeit helfen vielen Hunden. Belohne deinen Hund, wenn er sich von selbst hinlegt. Das braucht Geduld.

Wann ist ein auffällig ruhiger Hund ein Fall für die Tierarztpraxis?

Wird ein bisher lebhafter Hund plötzlich auffällig ruhig, schläft er viel mehr als sonst, will er nicht mehr laufen oder atmet er schon bei kleiner Anstrengung schwer oder röchelnd, gehört er in die Tierarztpraxis.